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Warum macht uns Social Media einsam?

PC Service Klosterneuburg

Andras Lantos
Gründer und leitender Techniker, wohnhaft in Klosterneuburg

1999 hatten die meisten von uns zu Hause bereits „Einwähl-Internet“. Wir konnten Bilder, Musik und vielleicht sogar schon Filme herunterladen. Wir lasen Nachrichten und Interessantes, chatteten oder lernten neue Leute in Foren und Chatrooms kennen. Wir spielten Online-Videospiele und eigneten uns neues Wissen an. Dennoch verbrachten wir den Großteil unserer Freizeit unter Menschen aus Fleisch und Blut. Obwohl viele von uns schon ein Mobiltelefon in der Tasche hatten, taugte es außer zum Schreiben von SMS und für Anrufe höchstens noch für ein oder zwei Runden Snake.

 

Um 2006 brach das Zeitalter der Social Media an: MySpace, Facebook und nacheinander all die anderen Plattformen kamen auf. Dann erschienen die Smartphones, die uns von einem Moment auf den anderen alle Informationen der Welt zugänglich machten: Tag und Nacht, im Bus oder am Arbeitsplatz, am Strand und im Fitnessstudio gleichermaßen.

 

2010 startete Instagram, 2016 TikTok, und die Welt, in der wir bis dahin lebten, veränderte sich auf einen Schlag. Obwohl sich auf den Social-Media-Plattformen Hunderte und Tausende von Freunden sammelten und wir Likes sendeten und empfingen, begann genau hier das Problem.

 

Das Geschäftsmodell von Social-Media-Plattformen basiert grundlegend darauf, dass wir so viel Zeit wie möglich auf ihnen verbringen. Je länger wir scrollen, desto mehr Inhalte und Anzeigen sehen wir, was wiederum höhere Einnahmen für die Betreiber bedeutet. Zudem ist es ihnen wichtig, so viel wie möglich über uns zu wissen: was wir anschauen, worauf wir klicken, was wir mögen, wonach wir suchen und was wir teilen.

 

Je genauer das Bild ist, das sie von uns zeichnen, desto zielgerichteter können sie uns Werbung vorsetzen. Und dass wir täglich stundenlang durch die Seite blättern, erreichen sie durch immer ausgefeiltere Algorithmen. Diese beobachten kontinuierlich, auf welche Inhalte wir reagieren: was unsere Aufmerksamkeit erregt, uns empört, ängstigt oder uns einfach dazu bringt, weiterzuschauen. Im Hintergrund schließen sie uns langsam in eine Art Blase ein, in der wir immer mehr Inhalten begegnen, die unseren eigenen Interessen und Meinungen ähneln, oder im Gegenteil: ständig solchen, die uns empören.

 

Das Problem ist nur, dass die Realität so nicht funktioniert. Echte menschliche Interaktionen sind komplex: In Gesprächen kann es unangenehme Pausen geben; Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht mit einem Klick aus der Welt schaffen; die menschliche Persönlichkeit ist nicht schwarz oder weiß, sondern besitzt Millionen von Schattierungen. Da im Internet jedoch alles viel einfacher, übersichtlicher, leichter erreichbar oder blockierbar ist, werden die Außenwelt und echte menschliche Beziehungen für uns von Tag zu Tag riskanter und komplizierter.

 

Da jeder Mensch das Schöne und Gute liebt, schauen wir uns natürlich gerne ein hübsches Mädchen, einen schönen Strand oder einen super Sportwagen an. Der Algorithmus sieht natürlich sofort, dass wir uns das gerne ansehen, und bietet uns deshalb immer mehr ähnliche Inhalte an. Und wir erwischen uns plötzlich dabei, wie wir unser eigenes Leben als langweilig und oberflächlich und uns selbst als hässlich und arm wahrnehmen – denn im Internet sehen wir nichts anderes als perfekt gefilterte Menschen an perfekten Orten, die… nun ja, eigentlich nichts tun, das aber sehr perfekt.

Genauso schädlich sind Fitness-Fotos und -Videos, in denen Menschen mit perfekten Körpern alle möglichen Kurse und Ernährungstipps empfehlen oder dir zeigen, dass das, was du im Fitnessstudio machst, nicht gut ist und du deshalb nicht so aussiehst wie sie.

 

Wir könnten noch über die 18–20-jährigen superschlauen Investoren sprechen, die auf einer Website nur 100 Dollar eingezahlt haben und ein Jahr später mit dem neuesten Ferrari an der Côte d’Azur entlangrasen, oder über „Influencer“, die Wundermittel zum Abnehmen, Verschönern und Gesundwerden vorführen und natürlich verkaufen, aber die Essenz bleibt immer dieselbe: Im Internet ist jeder wundervoll, jung, sportlich, gesund, reich und ständig auf Reisen.

 

Kein Wunder also, dass wir immer ängstlicher, depressiver und einsamer werden. Wir suchen den perfekten Job, den perfekten Partner, die perfekte Wohnung, das perfekte Leben. Dabei können nur wir selbst das Leben perfekt machen, und zwar indem wir damit beginnen, unser eigenes Leben nicht mehr mit dem anderer zu vergleichen.

Die Lösung besteht nicht darin, ab morgen das in der Schublade verstaubende Nokia 3110 hervorzuholen und den Internetvertrag zu kündigen, aber es lohnt sich, sich einige unbequeme Fragen zu stellen:

  • Greifst du reflexartig nach deinem Telefon, sobald du an einer roten Ampel für 5 Sekunden anhältst?
  • Wenn du heute Nacht um 3 Uhr in Schwierigkeiten wärst, wie viele Personen könntest du anrufen?
  • Wann saßest du einfach nur so da, in Ruhe, und hast dein Gehirn den Tag von selbst verarbeiten lassen, ganz ohne Podcast oder Scrollen im Internet?

 

Schalten wir manchmal ab, und zwar im wörtlichen Sinne. Legen wir unser Telefon weg, schalten wir unseren Computer aus und lassen wir zu, dass das Leben einfach mit uns passiert. Gehen wir spazieren, setzen wir uns mit jemandem auf einen Kaffee zusammen, führen wir ein gutes Gespräch oder verbringen wir einfach etwas Zeit damit, dass währenddessen nichts Besonderes passiert.

 

Denn die echten Wunder geschehen nicht online.

 

Und falls du gerade deshalb frustriert bist, weil dein Computer langsam geworden ist, den Geist aufgegeben hat oder einfach nicht so funktioniert, wie er sollte, dabei helfe ich dir allerdings sehr gerne.

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