Symbolbild für Online-Betrug beim Autoverkauf auf Gebrauchtwaren-Plattformen

Die typischsten Betrugsmaschen auf dem Gebrauchtmarkt

PC Service Klosterneuburg

Andras Lantos
Gründer und leitender Techniker, wohnhaft in Klosterneuburg

Seit zwei Monaten versuche ich mein Auto gleichzeitig auf mehreren Plattformen zu verkaufen. Ab und zu kommt eine allgemeine Frage, aber bisher gab es keine konkrete Anfrage. Dann, an einem Abend, erhielt ich einen langen Brief von einem „Gentleman“, der sich angeblich gerade von einer Kehlkopfoperation erholt und deshalb nicht telefonieren kann. Er stellte ein paar Fragen zum Auto, aber auf eine ausgesprochen höfliche und normale Art. Natürlich habe ich ihm geantwortet und ihm einige Termine für eine persönliche Besichtigung vorgeschlagen. Am nächsten Tag kam die Antwort, dass er nicht kommen könne, da er noch im Krankenhaus liege. Das sei aber auch gar nicht nötig: Ich solle ihm einfach den Vertrag schicken, er überweise das Geld und jemand anderes werde das Auto abholen.

 

Zum Glück kenne ich mich im Internet gut aus und bin in den letzten fast 30 Jahren schon allen möglichen Betrugsmaschen begegnet, mein „Bullshit-Meter“ schlug sofort aus. Niemand kauft ein Auto ungesehen, und erst recht nicht, wenn er wegen einer schweren Operation im Krankenhaus liegt.

 

Daher dachte ich mir, ich fasse in einem Blogbeitrag zusammen, womit und wie Betrüger heutzutage versuchen, ahnungslose Nutzer auf Willhaben, Facebook Marketplace und anderen Gebrauchtwaren-Plattformen reinzulegen. Wie sie Vertrauen, Zeitdruck und den Wunsch nach einem guten Preis ausnutzen. Schon bei einem Laptop, einer Spielkonsole oder einem Smartphone kann der Verlust schmerzhaft sein. Beim Verkauf oder Kauf eines Autos können jedoch mehrere tausend Euro davon abhängen, ob man einige verdächtige Anzeichen erkennt.

 

  1. Das falsche PayLivery

 

Dies ist eine der bekanntesten Betrugsmethoden auf Online-Marktplätzen und zielt besonders häufig auf Verkäufer auf Willhaben ab. Du erstellst eine Anzeige, zum Beispiel für einen Laptop um 1.200 Euro. Kurze Zeit später meldet sich ein Interessent, der den Preis fast ohne Rückfragen akzeptiert. Er handelt nicht, will sich nicht persönlich treffen und sagt, dass er die Abholung per Kurier organisieren möchte.

Dann kommt der entscheidende Punkt: Er schlägt vor, Zahlung und Versand über den Dienst PayLivery abzuwickeln. Er sendet einen Link, der auf den ersten Blick der offiziellen Willhaben-Seite täuschend ähnlich sieht. Auf der gefälschten Seite siehst du, dass der Käufer das Produkt angeblich bereits bezahlt hat. Um das Geld zu erhalten, musst du jedoch deine Kreditkartendaten eingeben, dich in dein Online-Banking einloggen oder eine angebliche Transaktion bestätigen.

Und genau hier passiert der Betrug: Du erhältst kein Geld, sondern der Betrüger verschafft sich Zugang zu deinem Konto oder verleitet dich dazu, selbst eine Überweisung freizugeben. Manchmal nutzen sie sogar einen gefälschten Kundenservice, damit die ganze Geschichte noch überzeugender wirkt.

 

Wie du dich schützt:

  • Prüfe die PayLivery-Abwicklung immer direkt auf der offiziellen Willhaben-Plattform.
  • Klicke niemals auf Zahlungs- oder Kurierlinks, die dir vom Käufer gesendet werden.
  • Gib deine Kreditkartendaten auf einer unbekannten Website niemals ein, nur um Geld zu empfangen.
  • Bestätige niemals eine Banktransaktion, deren Zweck und Empfänger du nicht genau verstehst.

 

  1. Der Überzahlungsbetrug

 

Diese Methode richtet sich primär an Verkäufer und kann besonders bei hochwertigen Elektronikgeräten gefährlich sein. Nehmen wir an, du bietest einen Laptop für 900 Euro an. Der Käufer behauptet, das Geld bereits überwiesen zu haben, habe aber aus Versehen 1.100 Euro geschickt. Er schickt das Bild eines angeblichen Überweisungsbelegs oder eine gefälschte Bestätigungs-E-Mail und bittet dich, die Differenz von 200 Euro zurückzuüberweisen.

 

Der Betrug liegt darin, dass die ursprüngliche Überweisung in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Der Beleg ist gefälscht, aber du überweist die Differenz aus deinem eigenen Geld zurück. In einer anderen Variante behauptet der Käufer, dass der höhere Betrag auch die Versandkosten oder die Gebühr eines Vermittlers enthalte. Die Differenz sollst du dann an ein angebliches Transportunternehmen weiterleiten.

 

Wie du dich schützt:

  • Ein Screenshot ist kein Zahlungsnachweis! Überprüfe den tatsächlichen Geldeingang in der offiziellen App oder im Internetbanking deiner eigenen Bank. Wenn du eine Mehrzahlung siehst, überweise diese nicht automatisch zurück: Stimme dich mit deiner Bank ab und handle ausschließlich auf Basis einer überprüften Transaktion.

 

  1. Autoverkauf: Zahlung von Transportgebühren

 

Autoverkäufer sind besonders attraktive Ziele, da der Preis eines Gebrauchtwagens schnell mehrere tausend oder zehntausend Euro erreichen kann. Es meldet sich ein Interessent, der vorgibt, das Auto unbedingt kaufen zu wollen. Er befinde sich im Ausland, könne nicht persönlich erscheinen und wolle daher ein Logistikunternehmen oder einen Autotransporter mit der Abholung beauftragen.

Die Kommunikation läuft überraschend reibungslos. Der Käufer schickt vielleicht sogar einen unterschriebenen Kaufvertrag und eine Banküberweisungsbestätigung. Danach stellt sich jedoch heraus, dass du für den Transport eine Gebühr im Voraus bezahlen musst. Der Betrag kann einige hundert Euro betragen, aber auch deutlich mehr. Der Käufer behauptet, dass du das Geld später zurückerhältst oder es mit dem Kaufpreis verrechnet wird.

 

Sobald du die Gebühr überwiesen hast, taucht der Käufer unter. Das Transportunternehmen existiert nicht, und die Überweisungsbestätigung war gefälscht.

Die österreichische Plattform Watchlist Internet hat Privatpersonen, die ihr Auto verkaufen möchten, speziell vor dieser Methode gewarnt.

 

Wie du dich schützt:

  • Bezahle niemals im Voraus an ein vom Käufer empfohlenes Transportunternehmen.
  • Überprüfe die Identität des Käufers, die Vertragsdaten und den tatsächlichen Geldeingang.
  • Übergib das Auto, die Schlüssel oder die Originaldokumente niemals bloß aufgrund einer Zahlungsbestätigung per E-Mail.
  • Sei besonders vorsichtig, wenn der Käufer im Ausland ist oder aus anderen Vorwänden die gesamte Abwicklung einem unbekannten Vermittler überlassen möchte.

 

  1. Autokauf: Zu günstiges Auto

 

Du findest ein Auto, das mehrere tausend Euro günstiger ist als der Marktpreis. Die Fotos sind schön, die Beschreibung überzeugt, und der Verkäufer behauptet, er befinde sich im Ausland, weshalb das Auto nicht sofort besichtigt werden könne. Später stellt sich heraus, dass das Auto angeblich in einem anderen Land steht, der Verkäufer gerade umzieht oder dringend Geld benötigt.

Um den Kauf zu sichern, verlangt er eine Anzahlung. Es kann vorkommen, dass er die Einschaltung eines angeblichen Anwalts-, Treuhand- oder Transportunternehmens vorschlägt, das die Sicherheit deines Geldes garantieren soll.

Die Website wirkt professionell, die Dokumente sehen authentisch aus, aber das Auto gehört dem Verkäufer möglicherweise gar nicht. Die Anzeige kann sogar Fotos enthalten, die aus einer anderen, echten Anzeige kopiert wurden. Nach Zahlung der Anzahlung verschwindet der Verkäufer.

 

Wie du dich schützt:

  • Bezahle beim Autokauf niemals im Voraus, nur um ein Auto besichtigen oder es über einen unbekannten Vermittler reservieren zu können.
  • Fordere die Fahrzeugdokumente an, überprüfe die Identität des Verkäufers sowie die Eigentumsverhältnisse, besichtige das Auto persönlich und fordere bei Bedarf eine unabhängige technische Überprüfung an. Überprüfe auch die Fahrgestellnummer (FIN) und die Papiere, bevor du Geld übergibst.
  • Auch der eigene Leitfaden von Willhaben warnt speziell vor dem Risiko von Vorauszahlungen bei hochwertigen Produkten und betont die Wichtigkeit der Überprüfung von Fahrzeugdokumenten.

 

  1. Laptop und Smartphone

 

Nicht jeder Betrug dreht sich nur um die Zahlung. Bei hochwertigen Elektronikgeräten kann das Produkt selbst das Problem sein. Die häufigsten Risiken sind:

  • Nicht existierendes Produkt: Der Verkäufer verwendet Fotos, die aus einer anderen Anzeige oder von einer Website kopiert wurden, und verlangt den Kaufpreis im Voraus.
  • Versteckter Mangel: Der Laptop lässt sich einschalten, überhitzt aber, hat einen defekten Akku, ein beschädigtes Display oder läuft instabil.
  • Gefälschtes oder manipuliertes Produkt: Anstelle des beworbenen Modells erhältst du eine schwächere Konfiguration, ein Plagiat oder ein Gerät mit nicht-originalen Bauteilen.
  • Verdächtig günstiges Premium-Gerät: Hinter einem Produkt, das zu einem Bruchteil des Marktpreises angeboten wird, können Betrug, Diebesgut oder andere Probleme stecken.

 

Wie du dich schützt:

  • Teste den Laptop bei einer persönlichen Übergabe: Überprüfe die genaue Modellnummer, den Speicherplatz, den Arbeitsspeicher und den Akkuzustand.
  • Überprüfe beim Smartphone die IMEI-Nummer, die Sperren des Geräts und die Abmeldung aus allen Konten (z. B. iCloud/Google).
  • Fordere eine Rechnung oder andere Nachweise über die Herkunft an, sofern vorhanden.
  • Verlasse dich beim Fernkauf nicht ausschließlich auf Fotos und Videos. Nutze eine überprüfbare Zahlungs- und Versandlösung mit Käuferschutz auf der Plattform, falls verfügbar, und gehe keine unbegründeten Vorauszahlungen ein.

 

Die Online-Sicherheitsinformation der österreichischen Bundesregierung warnt ebenfalls davor, dass sich unter auffällig günstigen Elektronik- und Markenprodukten Fälschungen, Diebesgut oder betrügerische Angebote befinden können.

 

  1. Der Klassiker auf Facebook Marketplace

 

Auf dem Facebook Marketplace kommt es ebenfalls vor, dass jemand Interesse an einem Produkt zeigt und dann behauptet, dass sich auch andere gemeldet hätten – weshalb er es nur gegen eine Anzahlung reserviere.

In anderen Fällen schlägt der Käufer oder Verkäufer einen angeblichen Kurierdienst vor und fordert die Versandkosten im Voraus. Die Geschichte ist meist dieselbe: Die Gegenseite drängt, die Zahlung muss schnell erledigt werden, und es gibt keine Möglichkeit für eine persönliche Übergabe oder eine Begutachtung des Produkts. Sobald die Anzahlung eintrifft, taucht der Partner unter. Besonders verdächtig ist es, wenn eine Privatperson die Zahlung über eine unbekannte Website abwickeln möchte oder behauptet, dein Geld werde erst nach Zahlung einer zusätzlichen Gebühr freigeschaltet.

 

Wie du dich schützt:

  • Bezahle keine Reservierungs- oder Kuriergebühr bloß aufgrund des Versprechens eines Fremden. Überprüfe Zahlungs- und Versanddienste immer direkt auf der offiziellen Oberfläche des jeweiligen Anbieters.

 

  1. Der Käufer will zu schnell zahlen und interessiert sich nicht für das Produkt

 

Auf den ersten Blick wirkt das nicht wie ein Problem. Du stellst eine Anzeige für einen teuren Laptop oder eine Konsole ein, und innerhalb weniger Minuten trifft eine Nachricht ein: „Hallo! Ich kaufe es zum vollen Preis. Ich brauche keine weiteren Bilder. Wir machen das per Kurier, gib mir einfach deine Telefonnummer!“

Eine solche Nachricht allein beweist noch keinen Betrug. Das Risiko wird jedoch extrem hoch, wenn der Käufer nicht ernsthaft über das Produkt sprechen möchte, aber auf einer Kommunikation außerhalb der Plattform besteht – etwa über WhatsApp oder über einen von ihm gesendeten Zahlungslink.

Betrüger versuchen oft, das Gespräch auf eine andere Plattform zu verlagern, weil sie dort die Warnungen des Marktplatzes leicht umgehen und dich auf gefälschte Websites leiten können.

Der beste Schutz ist einfach: Bleibe im Nachrichtensystem der Plattform, solange ihr das Geschäft abwickelt, und lass dir den Ablauf der Zahlung nicht vom Interessenten diktieren.

 

Wie wickelt man einen hochwertigen Kauf/Verkauf sicher ab?

 

Egal ob du Käufer oder Verkäufer bist, einige Grundregeln können das Risiko erheblich senken.

 

Wenn du kaufst:

  1. Vergleiche den Preis mit ähnlichen Produkten in vergleichbarem Zustand. Ein auffällig günstiges Angebot erfordert besondere Vorsicht.
  2. Überprüfe das Profil des Verkäufers, die Details der Anzeige und die verfügbaren Dokumente.
  3. Begutachte die Ware bei hochwertigen Produkten nach Möglichkeit persönlich und bezahle erst danach.
  4. Wenn eine persönliche Übergabe nicht möglich ist, nutze eine überprüfbare Zahlungslösung mit angemessenem Käuferschutz.
  5. Überweise niemals Geld an einen unbekannten Treuhanddienst und zahle keine zusätzlichen Gebühren, damit eine angebliche Bank den Kaufpreis freischaltet.

 

Wenn du verkaufst:

  1. Akzeptiere keine Zahlungs-Screenshots anstelle eines tatsächlichen Geldeingangs.
  2. Klicke nicht auf Zahlungs- oder Kurierlinks, die vom Käufer gesendet werden.
  3. Gib deine Kreditkartendaten nicht ein, um Geld zu empfangen.
  4. Überweise keine Überzahlungen zurück und zahle nicht im Voraus an ein vom Käufer empfohlenes Transportunternehmen.
  5. Überprüfe beim Auto die Identität des Käufers und den Geldeingang, bevor du das Fahrzeug und die Dokumente übergibst.

 

Laut den eigenen Informationen von Willhaben funktioniert PayLivery innerhalb der Plattform und dient als Option mit Käuferschutz. Die genauen Bedingungen des Dienstes solltest du immer auf der offiziellen Seite überprüfen. Bei einer persönlichen Übergabe ist die Begutachtung der Ware und die Bezahlung bei Übergabe meist die einfachste Lösung.

 

Was tun, wenn du bereits in die Falle getappt bist?

 

Wenn du deine Kreditkartendaten oder Zugangsdaten zum Online-Banking eingegeben oder eine verdächtige Transaktion bestätigt hast, wende dich umgehend an deine Bank. Bitte um die notwendige Kartensperrung, den Schutz deines Zugangs und die Prüfung einer Stornierung oder eines Rückrufs der Transaktion.

Sichere die Anzeige, die Nachrichten, die Profildaten, E-Mails, Webadressen und Zahlungsbelege. Melde den Nutzer bei Willhaben oder Facebook und erstatte Anzeige bei der Polizei. Lösche den Chatverlauf nicht, da er als Beweismittel dienen kann.

Wenn du Geld überwiesen hast, warte nicht tagelang in der Hoffnung, dass der Betrüger es zurückzahlt. Je schneller du den Vorfall der Bank meldest, desto höher ist die Chance, eine noch laufende Transaktion zu stoppen.

 

Fazit: Wenn die Zahlung zu kompliziert wird, halte an!

 

Willhaben und Facebook Marketplace sind nützliche Plattformen, und die meisten Nutzer möchten ehrliche Geschäfte machen. Betrüger bauen jedoch oft auf dieselben Muster auf: Sie machen Druck, verlangen Vorauszahlungen, erfinden Kurierdienste, senden gefälschte Belege oder leiten dich auf eine fremde Zahlungsseite weiter.

Du musst nicht jeden Interessenten als Betrüger betrachten. Aber wenn dich jemand bittet, zur Sicherheit deines Geldes oder deines Produkts eine weitere Gebühr zu zahlen, deine Bankdaten anzugeben oder die offizielle Plattform zu verlassen: Halte an und überprüfe die Situation!

 

Ein echter Käufer benötigt deine Kreditkartendaten nicht, um dir Geld zu schicken. Und ein echter Verkäufer braucht keine Anzahlung von dir, um zu beweisen, dass das Produkt tatsächlich existiert.

Bei hochwertigen Käufen und Verkäufen kann dir eine minütige Überprüfung oft mehrere tausend Euro ersparen.

 

Wichtiger Hinweis: Die aufgeführten Methoden sind dokumentierte Betrugsmuster, diese Liste stellt jedoch keine offizielle Rangliste dar. Die Häufigkeit einzelner Maschen kann sich im Laufe der Zeit ändern, daher solltest du vor einer Transaktion immer die aktuellen Plattformregeln und offiziellen Sicherheitshinweise prüfen.

 

 

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